Geburt und Zuchttauglichkeit
Über Kaiserschnitte bei Hündinnen wird selten gesprochen, und wenn, dann als medizinisches Detail. Tatsächlich ist es eine der klarsten Regeln in einem Qualzucht-Präventionsprogramm — und eine, die ausschließlich die Hündin schützt.
Kein Eingriff nebenbei, sondern eine Bauchoperation unter Vollnarkose. Die Hündin wird narkotisiert und beatmet, die Bauchdecke und die Gebärmutter werden eröffnet, die Welpen einzeln entnommen und von einem zweiten Team versorgt. Danach folgt eine Naht, die heilen muss, während die Hündin ihren Wurf säugt.
Das gelingt in aller Regel gut. Es bleibt trotzdem das, was es ist: ein schwerer Eingriff, mit dem jedes Mal ein Narkoserisiko und eine Wundheilung verbunden sind. Genau so steht es auch in der Begründung, mit der die Präventionsprogramme ihre Grenze ziehen.
Sie ist kurz und lässt sich nicht auslegen:
Ein Kaiserschnitt kann im Einzelfall nötig sein: eine Wehenschwäche, ein einzelner sehr großer Welpe, eine Fehllage. Das ist Tiermedizin und kein Zuchtfehler.
Nach dem zweiten Kaiserschnitt endet die Zuchtlaufbahn dieser Hündin. Nicht als Strafe für den Züchter, sondern weil ein drittes Mal ihr nicht mehr zuzumuten ist.
Ein einzelner Kaiserschnitt kann jede Hündin treffen. Häufen sie sich, ist das ein Hinweis: auf den Körperbau, auf das Verhältnis zwischen Mutter und Nachwuchs, manchmal auf beides.
Das Tierschutzgesetz führt diesen Fall ausdrücklich auf. Unter den Erscheinungen, die eine Zucht zur Qualzucht machen, steht auch: Körperformen, bei denen natürliche Geburten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht möglich sind. Wenn der Kaiserschnitt zur Regel wird statt zur Ausnahme, ist er kein medizinischer Betriebsunfall mehr.
Was dabei geschieht
Diese Bilder stehen hier, weil sich die Regel sonst nach Bürokratie anhört. Sie ist keine. Sie beschreibt das hier — und zwar zweimal, bevor Schluss ist.
In den Programmen, die uns vorliegen, ist diese Regel bei den kleinen Rassen ausdrücklich festgeschrieben; bei ihnen kommt außerdem eine Untergrenze für das Gewicht der Zuchthündin dazu. Das heißt nicht, dass größere Rassen keine Geburtsprobleme kennen — sie kennen sie sehr wohl.
Es heißt nur, wo eine Vorgabe ausdrücklich niedergeschrieben ist. Aus dem Fehlen einer Regel folgt nie das Fehlen eines Problems.
Die Grenze schützt kein Zuchtziel. Sie schützt eine Hündin, die nicht gefragt werden kann.
ZEUS ist ein Qualzucht-Präventionsprogramm für Züchterinnen und Züchter. Bevor eine Hündin belegt werden darf, braucht sie ihre Zuchttauglichkeit — und diese Prüfung endet, wenn die Grenze erreicht ist. Der Züchter kann sie nicht übergehen, weil die Bestätigung nicht bei ihm liegt, sondern in der Heimtierdatenbank beim Tier.
Für Sie als Käuferin oder Käufer heißt das: Sie müssen danach nicht fragen. Das Qualzuchtpräventionszertifikat des Welpen setzt voraus, dass beide Elterntiere zuchttauglich waren. Zu jedem Zertifikat gehört ein Kontrollcode, den Sie auf der ZEUS-Website eintippen. Für Sie kostenlos.
Zertifikat prüfen
Dass eine Hündin nach dem zweiten Kaiserschnitt aus der Zucht geht, ist keine Frage der Auslegung. Tragen Sie diese Seite weiter, wenn Sie jemanden kennen, der vor der nächsten Belegung steht.